Was für ein faszinierendes Buch, natürlich besonders für mich, der schon von jung an beeindruckt war von der Orestie des Aischylos, und ihren zahlreichen Variationen, wie „Trauer muss Elektra tragen“ von O’Neill oder „Die Fliegen“ von Sartre.
Toibin fügt der bekannten Geschichte (Agamemnon opfert seine Tochter Iphigenie, als Opfer für die Götter, um einen guten Wind zu bekommen – seine Frau Klytaimnestra tut sich mit dem verrufenen Aigisthos zusammen und tötet Agamemnon – ihre andere Tochter Elektra verlangt von ihrem Bruder Orest, die Mutter umzubringen, was er auch tut) neue Personen und neue Wendungen hinzu.
Formal ebenso sehr ansprechend:
Toibin läßt Klytaimnestra und Elektra für sich selber sprechen, Orests Geschichte wird distanziert in der dritten Person geschildert.

Hanser Verlag € 24,00

Reiner Grandt