LADEN

Gelesen und für gut befunden

Ja, das grenzenloseste aller Abenteuer der Kindheit, das war das Leseabenteuer. Für mich begann es, als ich zum erstenmal ein eigenes Buch bekam und mich da hineinschnupperte. In diesem Augenblick erwachte mein Lesehunger, und ein besseres Geschenk hat das Leben mir nicht beschert. Astrid Lindgren

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Klaus Cäsar Zehrer: Das Genie

Boston, Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts.
Es geht um die Lebensgeschichte von William James Sidis, einem Wunderkind,
einem seltsamen exzentrischen jungen Mann, der mit 11 Jahren begann an der
Harvard Universität zu studieren, über 40 Sprachen beherrschte, schon als Kind
Bücher geschrieben hat, dessen IQ über 250 gewesen sein soll (allerdings wurde
er nie getestet) und der tatsächlich gelebt hat und 44jährig an einer
Gehirnblutung gestorben ist, in ärmlichen Verhältnissen.
Die ca. ersten 200 Seiten befassen sich mit seinem Vater, einem klugen Mann
mit linken, sozialistischen Ansichten, der nach den Judenprogromen aus der Ukraine
in die USA geflüchtet ist. Er ist der Ansicht, daß im Leben Bildung das Allerwichtigste ist,
und sorgt auch dafür, daß seine Frau ihren Doktor in Medizin macht, während er
einen Doktortitel in Psychologie und einen in Philosophie hat. Und er ist ein großer
Gegner der Psychoanalyse, mithin also auch von Freud und Jung. Stattdessen
ist er fasziniert von Hypnose.
Das Kind William James wird schon als Baby von seinen Eltern unterrichtet und
erzogen mithilfe eines speziellen Programms.
Vielleicht mit ein Grund für seine überdurchschnittliche Intelligenz.
Der zweite Teil des Buches befaßt sich mit William James' Leben und seinem Aufstieg,
der dritte Teil mit dem Bruch mit den Eltern, seinem Niedergang und Tod.
Der Roman ist höchst unterhaltsam, teilweise lakonisch und ironisch geschrieben,
der Autor macht sich aber niemals lustig über "Das Genie".
Insgesamt sehr empfehlenswert.

Diogenes € 25,00
Reiner Grandt

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Garth Stein: Im Licht des Augenblicks

In der Nähe von Seattle, 1990.
Der 14jährige Trevor besucht mit seinem Vater, der Jahrzehnte lang nicht dort gewesen ist,
das Famlienanwesen Riddell House. Es ist riesig und beeindruckend, ganz aus Holz gebaut und langsam aber sicher verfällt es. Trevors Tante Serena und sein Großvater, der durcheinander und seltsam ist, und behauptet, Geister seien im Haus, wohnen dort.
Der Großvater soll entmündigt werden und das Grundstück soll verkauft werden.
Trevor hat Zeit und nichts zu tun und ist fasziniert von dem großen Haus.
Er erforscht es, findet Geheimgänge, versteckte Zimmer, alte Briefe und nie gelesene
Tagebücher. Und er hat keine Angst vor Geistern, die es dort nämlich wirklich gibt,
und die ihm helfen werden, das Geheimnis seiner Familie, deren Vorfahren reiche Holzbarone
waren, zu entdecken und die Wahrheit auszusprechen.
Er taucht in die Vergangenheit ein, beschäftigt sich mit den Ideen von Henry David Thoreau und den Gedanken von Walt Whitman.
Und er kommt einer grossen leidenschaftlichen Liebe auf die Spur, die bis in die Gegenwart hineinwirkt.
Fängt gemächlich an und wird immer spannender, so daß man sich wünscht, die
Geschichte sei so bald nicht vorüber.
Garth Stein: Im Licht des Augenblicks (A Sudden Light)
Droemer Knaur € 19,99
Reiner Grandt

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Karin Kalisa: Sungs Laden

Alles beginnt an einer Schule, deren Direktor kurz vor Weihnachten eine "weltoffene Woche" organisieren muss. Als hätten nicht alle genug mit der Adventsbastelei zu tun. Der Hausmeister bringt einen Schriftzug in der Aula an. "Dinge der Welt" steht darauf. Der Schüler mit Schweizer Vorfahren bringt ein Akkordeon mit. Der Italiener eine Ferrari-Nachbildung. Eine Schülerin mit rotblonden Haaren hält einen Vortrag über den Fünf-Uhr-Tee. Und Minh, dessen Vater einen vietnamesischen Laden in Berlin betreibt, der in Berlin geboren ist und über Vietnam eigentlich nichts weiß, fragt seine Großmutter nach einem Stück aus der Heimat seiner Familie.

Die Großmutter zieht ein Seidenkleid in der Farbe von Seerosen über und trägt eine hundertjährige Holzpuppe in die Aula von Minhs Schule. Vor aufgerissenen Kinderaugen führen Minh, seine Großmutter und die Holzpuppe dort oben auf der Bühne ein Puppentheater auf und erzählen die Geschichte einer jungen Frau aus Vietnam, die nach dem Vietnamkrieg als Fabrikarbeiterin in die DDR kam und zurückkehren musste, als sie schwanger wurde und darauf bestand, ihr Kind zu bekommen.

Die Kinder lauschen konzentriert. Die stellvertretende Direktorin vergisst ein Foto mit ihrer Spiegelreflexkamera zu machen. Der Hausmeister wird von einer untypischen Herzlichkeit befallen. Den Lehrerinnen schwappt der Kaffee über die Ränder ihrer Tassen, und der Direktor erinnert sich plötzlich zum ersten Mal seit Jahren an eine Fabrikarbeiterin, die er einst selbst gekannt hatte. So beginnt alles. Bald werden die Berliner Kegelhüte tragen und das Glück spüren. Denn Kalisas Roman ist ganz dem Hellen, der guten Laune und dem Vertrauen in die Welt verpflichtet. Wenn es schon nicht mehr Bücher wie dieses gibt, dann stehen zumindest einem Buch wie diesem mehr Leser zu.

Weil wir diese Rezension so treffend finden, zitieren wir an dieser Stelle: SpiegelOnline

Droemer Knaur TB, € 9,99

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Joachim Meyerhoff: Alle Toten fliegen hoch Teil 1 -3

Joachim Meyerhoff, Schauspieler am Wiener Burgtheater, schreibt unglaublich sympathisch über seine Familie. Dabei gibt es nicht wirklich eine Chronologie, in der man die drei vorliegenden Bücher lesen sollte.
Mit "Wann wird es endlich so, wie es nie war" beschreibt Joachim Meyerhoff die Zeit seiner Kindheit und Jugend bis ins Erwachsenenalter. Die Zeit, in der die Familie in der norddeutschen Provinz auf dem Gelände einer Kinder- und Jugendpsychiatrie wohnt: der Vater, Direktor der Klinik, die beiden Brüder, die Mutter und er selbst.
Die Bewohner der Klinik gehören zum Alltag. Und wie Joachim Meyerhoff diese Alltäglichkeit beschreibt, ist oft absurd komisch und nie herabwürdigend. Der Leser hat Anteil an dem (nicht immer ganz normalen) Familienleben, das bestimmt wird von den Launen des dominanten Vaters. Der Unfalltod des mittleren Bruders ist ein einschneidendes Erlebnis, das die Familie auf eine harte Probe stellt.

Im "ersten" Teil erzählt Joachim Meyerhoff über sein Jahr als Schüler in Amerika. Sein Bemühen, den Test zu bestehen, um überhaupt zugelassen zu werden. Über seine Zeit im ländlichen Wyoming, wo er sich erstaunlich schnell einlebt, seine Gastfamilie, die streng religiös lebt und seine völlig unerwarteten Erfahrungen als "Basketballstar" an der Highschool. Auch hier ist der Unfalltod seines Bruders Thema.

Und nicht zuletzt "Die Lücke..." In diesem Buch schreibt Meyerhoff über die Jahre, die er bei den Großeltern in München wohnt. Seine Großmutter, einst selbst bekannte TV-Schauspielerin und sein Großvater, Professor für Philosophie, pflegen einen unfassbar skurrilen Lebensstil. Als Leser spürt man förmlich, wie die Welt des 19jährigen Schauspielschülers mit der großelterlichen kollidiert…
Ich verspreche Ihnen: Wenn Sie eines der Bücher gelesen haben, wollen Sie unbedingt auch die anderen lesen.
Joachim Meyerhoff erzählt so, dass man sich ihm und seiner Familie sofort verbunden fühlt. Und dabei wird man noch außerordentlich gut unterhalten.
Ines Kribbel

Alle Toten fliegen hoch, Amerika KiWi TB € 9,99
Wann wird es endlich so, wie es nie war KiWi TB € 9,99
Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke KiWi TB € 10,99

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James Lee Burke: Sturm über New Orleans

Hurrikan Katrina wütet in New Orleans, eine Naturkatastrophe,
die Regierung hilft nur widerwillig, Leichen treiben umher,
der Graben zwischen schwarz und weiß wird immer größer.
Detektiv Dave Robicheaux, trockener Alkoholiker und Vietnam-
Veteran, soll die Vergewaltigung eines jungen Mädchens aufklären.
Außerdem ist ein Priester verschwunden und weil die Plünderer
in der Stadt unterwegs sind, wird eine Bürgerwehr gegründet,
die aber anscheinend gefährlicher ist als die Verbrecher.
Reiner Grandt.

Heyne, € 10,99

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Daphne du Maurier: Meine Cousine Rachel

Ein spannender, dramatischer Gesellschaftsroman,
der im 19. Jahrhundert in Cornwall spielt.
Phillip lebt seit dem Tod seiner Eltern bei seinem Cousin Ambrose, der aufgrund einer
Krankheit die kalte Jahreszeit in wärmeren Gefilden verbringen muss. Eines Tages
schreibt er an Philipp, daß er in Italien Rachel kennengelernt und geheiratet hat.
Phillip ist mindestens irritiert ob dieser Nachricht. Er bekommt weitere Briefe:
Ambrose wird krank, Ambrose stirbt, die junge Witwe ist nicht aufzufinden -
 bis sie plötzlich bei Philipp vor der Tür steht. Er verfällt ihr, doch auf einmal
wird er krank...
Reiner Grandt.

Insel, € 12,00, Neuübersetzung

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Michael Cunningham: Die Schneekönigin

Ein melancholischer, balladenhaft anmutender Roman über Liebe, Leben und Tod.
Barrett und Tyler sind Brüder, die zusammen mit Beth, Tylers Frau, in einem kleinen
Haus in Bushwick, einem Teil Brooklyns, New York, wohnen.
Barrett ist schwul und sein Freund hat gerade per SMS mit ihm Schluss gemacht.
Tyler ist ein Musiker, der immer noch auf seinen Durchbruch wartet. Beth ist
unheilbar an Krebs erkrankt und wird von den Brüdern gepflegt.
Als Tyler eines Abends von einem Zahnarzttermin durch den Central Park nach
Hause geht, bemerkt er ein seltsames Licht und glaubt fortan, dass etwas Besonderes
geschehen wird.
Reiner Grandt.

BTB, € 10,99

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Anne Cleeves: Die Nacht der schwarzen Falter

Vera Stanhope ermittelt.
Ein klassischer englischer Kriminalroman mit der Inspektorin Vera Stanhope,
übergewichtig und schroff, aber auch mitfühlend.
Zwei männliche Leiche tauchen in einer ländlichen Idylle auf. Die Männer
kannten sich kaum und ihre einzige Gemeinsamkeit ist auf den ersten Blick
nur das Interesse für Schmetterlinge. Die Bewohner des Tals scheinen sich
alle sehr zu mögen, besuchen sich regelmäßig und kein Mißton
stört die Stimmung.
Schwer zu glauben für die misstrauische Vera Stanhope.
Reiner Grandt.

Rowohlt TB, € 9,99

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Abraham Verghese: Rückkehr nach Missing

Marion und Shiva, eineiige Zwillingsbrüder, wachsen als Adoptivkinder zweier Ärzte in einer Missionsstation in Äthiopien auf. Die Startbedingungen könnten schlechter nicht sein:
Ihre Mutter stirbt bei der Geburt, ihr Vater, ein britischer Chirurg, von der Situation völlig überfordert, verschwindet spurlos. Doch die beiden indischen Ärzte nehmen sie in ihre Obhut und erziehen sie mit pragmatischer Sachlichkeit.
Sie wachsen auf im Äthiopien der 60iger Jahre, Medizin wird beiden zur Mission…

Eine spannend erzählte Saga um zwei Brüder. Und die Liebe zur Medizin und zu den Menschen.

Insel Taschenbuch, € 9,99

Ines Kribbel

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Thomas Glavinic: Das größere Wunder

Jonas ist mit einer Gruppe unterwegs, den Mount Everest zu besteigen.
Während sich die Gruppe von Basislager zu Basislager kämpft, zwischen extremer Anstrengung, körperlicher Erschöpfung und tödlicher Langeweile, reist Jonas in Gedanken immer wieder in seine Kindheit und Jugend, denkt an seine (verlorene?) Liebe zu Marie…
Ein ganz besonderes Stück Gegenwartsliteratur, irgendwie magisch, ungeheuer fesselnd und mit langer Nachwirkung.

dtv, € 11,90

Ines Kribbel

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Antonia Michaelis: Das Institut der letzten Wünsche

Mathilda arbeitet im „Institut der letzten Wünsche“, eine Organisation die sterbenden Menschen ihren letzten Wunsch erfüllt. Dabei scheint nichts unmöglich, egal ob es im Hochsommer schneien oder eine verstorbene Opernsängerin noch einmal ein Konzert geben soll. All dass machen Mathilda und ihre Kollegin, wenn auch mit Tricks, möglich. Dann taucht Birger auf. Mathilda soll seine große Liebe und sein Kind finden und zum ersten Mal möchte Mathilda einen Wunsch nicht erfüllen können. Sie hat sich in Birger verliebt.

Droemer Knaur, € 19,99,
die Taschenbuchausgabe erscheint im Februar 2017

Brigitte Klasen

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Donna Freitas: Wieviel Leben passt in eine Tüte?

Ein iPod mit Liedern, ein Foto mit Pfingstrosen, ein Kristallherz, Buntstifte, ein Papierstern, ein Papierdrachen. Das alles befindet sich in der schlichten braunen Papiertüte mit der Aufschrift "Roses Survival Kit", die Rose am Tag der Beerdigung ihrer Mutter findet. Es ist ein letztes Geschenk an Rose - und der Beginn einer Reise. Zögernd lässt Rose sich darauf ein. Jeder Gegenstand scheint sie dabei auf seltsame Art zu Will zu führen. Schon bald merkt sie, dass sie mehr für den zurückhaltenden Jungen empfindet. Doch dann geschieht etwas, dass Roses und Wills aufkeimendes Glück tief erschüttert. Ob ihre Mutter ihr auch für diese Situation etwas hinterlassen hat?
DTV, € 8,95

Brigitte Klasen

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Martin Baltscheit: Nur ein Tag

Du hast immer genug Zeit, um glücklich zu sein: Als Wildschwein und Fuchs unerwartet Zeugen werden, wie eine bezaubernde Eintagsfliege schlüpft, haben sie ein Problem: Wer bringt ihr bloß bei, dass sie nur einen Tag zu leben hat? Kurzerhand behaupten sie, der Fuchs sei derjenige, der bald sterben müsse. Die hübsche Fliege hat gleich eine Idee und verkündet: Dann müsse eben das ganze Leben in einen Tag hinein, mitsamt dem großen Glück!

Dressler Verlag, ab 6 Jahre, € 12,99

Brigitte Klasen

 

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Joel Dicker: Die Geschichte der Baltimores

Hat man die ersten drei, vier Seiten dieses spannenden Familienromans gelesen entwickelt sich ein Sog und man liest sich unweigerlich der Katastrophe entgegen, von der man von Anfang an weiß, daß sie unaufhaltsam stattfinden wird.
Die Großeltern der Familie Goldman wohnen in Florida, ein Sohn mit seiner Familie in Montclair, New Jersey,
ein anderer in Baltimore, Maryland.
Die in Baltimore sind wohlhabend, erfolgreich und glamourös, die in Montclair bodenständig und Mittelstand.
Marcus, der Sohn der Goldmans in Montclair, der spätere Schriftsteller, nimmt den Leser an die Hand und erzählt von sich und seinen Cousins, von unverbrüchlicher Freundschaft, Liebe, Leidenschaft, Missgunst und Neid und von entsetzlichen Missverständnissen. Ein wunderbarer Unterhaltungsroman, komplexer und reifer als Dickers vorheriger Roman "Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert", und vorzüglich übersetzt.
Piper Verlag € 22,00

Reiner Grandt

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Chimamanda Ngozi Adichie: Americanah

Americanah ist nicht einfach nur ein Afrika-Roman. Es ist auch die Liebesgeschichte von Ifemelu und Obinze. Zwei jungen Nigerianern, denen nach der Ausbildung keine Perspektive im eigenen Land offen steht. Ihre Wege trennen sich: Ifemelu geht nach Amerika, um dort zu studieren und Obinze schlägt sich nach London durch, nur um dort ein Leben als illegaler Einwanderer zu fristen, abhängig von den Launen anderer und doch mit großen Träumen.

Ifemelu macht in Amerika Erfahrungen mit alltäglichem Rassismus und kommt oft an die Grenzen ihrer Kraft. Sie beginnt, einen Blog zu schreiben und erlangt damit in kurzer Zeit eine gewisse Berühmtheit und wird zur jungen Stimme der Antirassismusbewegung.

Nach Jahren kehrt Irfemelu nach Nigeria zurück und ist fortan für ihre Landsleute die "Americanah". Gegen alle widrigen Umstände schafft sie es, eine Firma zu gründen.

Und eines Tages trifft sie auch Obinze wieder…

Ein großer, moderner Roman! Absolut lesenswert!

Ines Kribbel

Fischer TB, € 9,99

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Meg Wolitzer: Die Interessanten

Julie trifft in einem Sommercamp an der Ostküste auf fünf Jugendliche:
Ethan, Jonah, Cathy, Ash und Goodman. Von Anfang an ist sie fasziniert von ihnen, den fünf jungen New Yorkern, ihrer Schlagfertigkeit, ihrer Unbeschwertheit und ihren Talenten. Sie wagt es nicht zu denken und doch gehört sie plötzlich dazu: Wie selbstverständlich wird sie in die Gruppe der "Interessanten" aufgenommen. Und nur zu gern entflieht sie für den kurzen Moment des Sommercamps ihrer eigenen, provinziellen Welt...
Auch nach dem Camp verbringt sie soviel Zeit wie möglich mit ihren neuen Freunden in New York; die Welt steht ihnen offen, das Leben wartet auf sie - aber schaffen es alle, ihre Talente zu nutzen?

Meg Wolitzer erzählt von den großen Fragen des Lebens. Vor der Kulisse des Amerika der letzten vierzig Jahre begleiten wir die Protagonisten durch alle Höhen und Tiefen der menschlichen Existenz.

Sehr unterhaltend, sehr lesenswert.

Ines Kribbel

DuMont TB, € 9,99

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Jane Gardam: Eine treue Frau

Nach "Ein untadeliger Mann" erzählt Jane Gardam mit "Eine treue Frau" die Geschichte von Edward und Betty Feathers aus der Perspektive von Betty. Als Betty Edward in Hongkong kennenlernt, ist sie fasziniert von seiner untadeligen Art: Als er ihr einen Heiratsantrag macht, gibt sie ihm übereilt ihr Ja-Wort. Edward ringt ihr das Versprechen ab, ihn niemals zu verlassen, weil er das einfach nicht ertragen könnte.
Da lernt Betty kurz nach der Verlobung Terry Veneering, den Erzrivalen ihres zukünftigen Mannes, kennen - und es trifft sie wie ein Blitz...

Was ein großartiger Stoff für eine Schmonzette wäre, verwebt Jane Gardam gekonnt zu einer feinen, intelligenten und spannenden Geschichte mit gutem Blick für alles menschliche.

Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Teil, der die Geschichte aus einer dritten Perspektive erzählt.
Ines Kribbel

Carl Hanser Verlag, € 21,90

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Jane Gardam: Ein untadeliger Mann

Old Filth, ehrenwerter Anwalt der englischen Krone hat viele Jahre erfolgreich in Hongkong gelebt und gearbeitet. Auf seine alten Tage ist er mit seiner Frau Betty in die Nähe von London aus Land gezogen. Dort leben die zwei ein beschauliches Leben, bis Betty eines Tages tot im Garten liegt. Völlig überrascht und überfordert mit der Situation und dem alltäglichen Leben, beginnt für Old Filth eine Zeit der Orientierungslosigkeit und Unrast. Er reist allein an Plätze seiner Kindheit und Jugend. Erinnerungen kommen hoch, die er lange vergessen hatte. Als Kind eines Kolonialbeamten in Malaysia geboren, wurde Eddie, wie übrigens viele Kinder dieser Zeit, früh alleine zurück nach England geschickt, um dort bei Pflegeeltern zu wohnen und später auf ein Internat zu gehen.

Jane Gardam erzählt diese Geschichte stilvoll und mit großer Eleganz. Edward Feather in seiner formvollendeten Art als englischer Gentleman ist förmlich greifbar - und nur wir als Leser bekommen einen tiefen Einblick in die innere Welt von Old Filth.

Ines Kribbel

Carl Hanser Verlag, € 22,90

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Garth Risk Hallberg: City on Fire

New York in den 1970er Jahren - eine Stadt am Rande des Nervenzusammenbruchs: Punk, Gewalt, Neurosen...
Menschen, deren Wege sich kreuzen und sich schicksalhaft miteinander verknüpfen.
Mercer, William, Kate, Keith, Sam, Charlie, Richard - gekonnt verflicht der Autor Handlungsstränge,
quasi-dokumentarische Briefe, Zeitschriften und Tagebuchnotizen. Vor dem Leser entfaltet sich der Kosmos einer wilden Stadt, wo arm und reich, kaputt und heil, verrückt und normal sich aneinder reiben und aufheizen bis zum großen Finale: dem großen Stromausfall im Sommer 1977.
Einmal angefangen lässt einen diese sprachgewaltige Geschichte nicht wieder los.

Mein Tipp: Eine Woche Urlaub nehmen und loslesen. Stift bereithalten zum Anstreichen toll formulierter Sätze und Passagen.
Ines Kribbel

Fischer Verlag, € 25,00

 

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Das unerhörte Leben des Alex Woods - Gavin Extence

Alex Woods ist zehn Jahre alt, und er weiß, dass er nicht den konventionellsten Start ins Leben hatte. Er weiß auch, dass man sich mit einer hellseherisch begabten Mutter bei den Mitschülern nicht beliebt macht. Und Alex weiß, dass die unwahrscheinlichsten Ereignisse eintreten können. Er wurde von einem Meteoriten am Kopf getroffen, lag mehrere Wochen im Koma und als Folge des Unfalls hat er dann und wann epileptische Anfälle. Irgendwann lernt er den Vietnamveteranen Mr. Peterson kennen, sie schätzen einander und eine Freundschaft entwickelt sich. Leider wird bei Mr. Peterson eine unheilbare Krankheit diagnostiziert, und er beschließt zu sterben. Es dauert eine Weile, bis Alex versteht, dass wahre Freundschaft bedeutet, die Entscheidung seines Freundes zu akzeptieren und ihn zu unterstützen.

Der Roman beginnt, als Alex 17 Jahre alt ist und aus der Schweiz zurückkommt, wohin er mit Mr. Peterson gereist ist, um ihm seinen letzten Wunsch zu erfüllen. Die Geschichte wird rückblickend erzählt.

Ein wunderschönes Buch, philosophisch und lebensklug, lustig und traurig, Leben und Tod.

Reiner Gandt

Limes Verlag, € 19,99

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Alibi - Agathe Christie, neu übers. von Michael Mundhenk

Roger Ackroyds große Liebe Mrs. Ferrars soll ihren ersten Ehemann ermordet haben. Nun ist sie selber tot, gestorben an einer Überdosis Veronal. War es Selbstmord? Ist sie erpresst worden? In der Zeitung findet Ackroyd einen letzten Hinweis auf die Umstände ihres Todes. Doch bevor er sein Wissen teilen kann, wird er ermordet. Hercule Poirot, der eigentlich Kürbisse züchten wollte, ermittelt.

(Veronal ist ein Barbiturat, welches 1903 von Merck auf den Markt gebracht wurde und als Schlafmittel benutzt, sowie in der Literatur als Selbstmord-Mittel -Fräulein Else, Menschen im Hotel- zitiert wurde. Heutzutage ist es nicht mehr im Handel.)

Agatha Christie sprengte mit diesem Buch die Grenzen des Kriminalromans, es ist ein Meilenstein dieses Genre. Kritiker waren damals empört, wahrscheinlich, weil die Autorin sie erfolgreich gefoppt hatte. Aber wenn man das Buch ein zweites Mal liest, merkt man, daß man auch von allein darauf kommen könnte, wer der Mörder ist; alle Hinweise liegen offen vor dem Leser.

Reiner Grandt

Atlantik Verlag, € 9,99

  • Buchtipps

Letzter Bus nach Coffeeville - J. Paul Henderson

Eigentlich ist ihr Leben gelebt. Die Geschichte der drei Protagonisten - Doc, Nancy und Bob - ist wie der Mississippi am unteren Lauf des Flusses: Die Vergangenheit ist allgegenwärtig, schillernd, voller Geschichten und Legenden. Die Gegenwart jedoch trist, öde und -zumindest für Nancy und Doc- mehr als bedrückend. Nancy hat Alzheimer, Doc´s Leben war an dem Tag vorbei, als seine Familie bei einem Autounfall starb.

So wie der Strom an Fahrt gewinnt, wenn er hinter der Touristenfalle Memphis sich mit dem Missouri vereint und das fruchtbare Schwemmland erreicht, so bekommt auch die Geschichte ihre ganz eigene Dynamik, wenn die drei Freunde erst einmal gemeinsam im ehemaligen Tourbus der Beatles unterwegs sind, um ein alters Versprechen einzulösen. Ziel der Reise und gleichzeitig Endstation ist ein kleines Städtchen in Mississippi: Coffeeville.

Das Buch liest sich leicht. Viele kleine und große Geschichten säumen den Handlungsstrang am Anfang, und man fragt sich - ähnlich wie beim Mississippi am unteren Lauf - ob sich alles irgendwann zu einem großen Strom zusammenfügt... Aber das tut es. Mit viel Humor, Witz und einem großen Tropfen Wehmut um das Wissen der Vergänglichkeit.

Ein richtiges schönes Buch! Unvergessen die Szene in der Kirche! Ich lache noch heute...

Gastrezension unserer Kundin Erika Gilgen

Diogenes Verlag, € 24,00

 

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Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln - Christoph Peters

Ernst Liesgang hat sich der Keramik verschrieben. Er hat eine Ausbildung in Japan genossen und plant jetzt,
Ender der 1980er Jahre, in einem kleinen Dorf an der Ostseeküste einen japanischen Anagama-Brennofen
von einem der berühmtesten japanischen Ofensetzer des Landes errichten zu lassen.
Das ist verbunden mit einigen rituellen Handlungen; in Japan sind Keramikhersteller nicht einfach Handwerker
sondern Künstler. Herr Yamashiro reist mit einem Tross von Verwandten und Helfern an, unter anderem ist
auch eine Köchin dabei, die auf sein leibliches Wohl achten soll. Zumindest solange, bis Herta Mölders,
die Wirtin des nahegelegenen Gasthauses, mit einem Korb voller Mettbrötchen und klarem Schnaps auftaucht...
Eine schöne Geschichte voll leisen Humors und Ironie, wenn zwei verschiedene Kulturen aufeinanderprallen,
mit Gegensätzen und Gemeinsamkeiten. In den 80er Jahren waren Japaner in Deutschland noch Exoten und
von Sushi Bars gab es keine Spur.
Eins meiner Lieblingsbücher.
Reiner Grandt.

Luchterhand Verlag € 18,99
btb € 9,99 ab März 2016

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Happy Birthday, Leonard Peacock - Matthew Quick

An seinem 18. Geburtstag packt Leonard Peacock eine Waffe in seinen Rucksack – und ein paar Abschiedsgeschenke für die Menschen, die ihm am meisten bedeuten.
Er plant, am Ende dieses Tages nicht nur sich, sondern auch seinen früheren besten Freund Asher Beal, an dem er sich rächen will, zu erschießen. Und doch wünscht sich Leonard insgeheim ein Zeichen, das ihm Mut machen könnte, trotz allem weiterzuleben.
Leonard Peacock ist ein liebenswerter, ungewöhnlicher Junge, der in seinem Leben nur wenig Liebe erfahren hat,
was man schon daran sieht, daß niemand außer ihm an seinen Geburtstag gedacht hat.
Sein Vater hat die Familie verlassen, seine Mutter ist eine kalte Geschäftsfrau, die in New York lebt und keine Zeit
für ihn hat.
Ein anrührendes, bewegendes Buch, auch vom Formalen her besonders: erzählt wird in der Ich-Person, es gibt sehr interessante Fußnoten und ab und zu eingestreut sind Briefe aus der Zukunft, die Leonard an sich selbst geschrieben hat.
Matthew Quick hat auch "Silver Linings" geschrieben, dessen Verfilmung Golden Globe und Oscar gekrönt ist.
Reiner Grandt.

dtv  € 13,95

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Altes Land - Dörte Hansen

In das »Alte Land«, auf einen alten, reetgedeckten Hof, verschlägt es die 5jährige Vera, das »Polackenkind«, das 1945 mit ihrer Mutter aus Ostpreußen geflohen ist. Ihr Leben lang fühlt sie sich fremd hier – und doch bleibt sie. Nicht wie etwas, das Wurzeln schlägt, eher wie etwas, das einfach haften bleibt. Doch dann, knapp sechzig Jahre später, steht ihre Nichte Anne vor der Tür. Auch sie ist ein Flüchtling und zusammen mit ihrem kleinen Sohn auf der Suche nach einem neuen Zuhause. »Altes Land« ist ein Buch wie die Menschen dort: nordisch knapp und doch mit großer Wärme und leiser Komik. Und es stellt existenzielle Fragen: Wem gehört die Vergangenheit? Wem die Zukunft? Wie geht man mit Verletzungen um? Und hört man je auf, ein Flüchtling zu sein?

NERV GETROFFEN! (Brigitte Klasen)

Albrecht Knaus Verlag € 19,99

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Der Distelfink - Donna Tartt

Fünf Sterne für den Distelfink!

Für mich das beste Buch, das ich seit Jahren gelesen habe. Eine höchst unterhaltsame, spannende und dramatische Geschichte, die mich an die russischen Klassiker erinnert hat, ebenso an Dickens, und an die Kriminalromane von Dashiell Hammett. Ich habe gelacht, geseufzt, war gerührt und atemlos vor Spannung. (Reiner Grandt)

Goldmann Taschenbuch € 12,99

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Jahre wie diese - Sadie Jones

Im London der siebziger Jahre gründen Luke, Paul und Leigh eine Theaterkompanie und verbringen auch sonst den Großteil ihrer Zeit miteinander.

Der Roman nimmt uns mit in die verrauchten Kneipen der Londoner Theaterszene und "hinter die Kulissen der Herzen" (Sadie Jones) der Protagonisten. Luke, der Stückeschreiber, verliebt sich unsterblich in die labile Schauspielerin Nina, die aber in einer Zweckehe gefangen ist, und riskiert seinen Ruf und sein Talent für diese Liaison.

Eine elegant erzählter Roman, der mehr ist, als eine einfache Liebesgeschichte. (Ines Kribbel)

DVA € 19,99

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Alles Licht, dass wir nicht sehen - Anthony Doerr

Der Pulitzerpreisträger 2015 überzeugt durch eine gekonnt erzählte Geschichte vor dem Hintergrund

des 2. Weltkrieges:

Die blinde Marie-Laure, die mit ihrem Vater, einem Angestellten des Musée Nationale d´ Histoire Naturelle, aus Paris fliehen muss. In Saint Malo finden sie Unterschlupf bei einem verschrobenen Onkel.

Parallel erzählt wird die Geschichte des Waisenjungen Werner, der auf dem Gelände der Zeche Zollverein aufwächst. Eigentlich ist ihm eine Zukunft unter Tage vorherbestimmt. Doch ein Zufall will es, dass der Kommandant der Zeche von seiner technischen Begabung erfährt. So kommt Werner in eine Drillschule der Nationalsozialisten.

Die Handlungsstränge laufen stetig aufeinander zu und verweben sich am Ende miteinander.

Eine großartige Geschichte, ohne Pathos, ohne Kitsch, spannend erzählt. (Ines Kribbel)

btb, € 10,99

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Glorreiche Zeiten - Kate Atkinson

Teddy Todd, todesmutiger Bomberpilot, Möchtegernpoet, Naturliebhaber, treuer Ehemann, Vater und Großvater.

Kate Atkinson erzählt ein ganzes Leben mit seinen verschiedenen Facetten nicht etwa chronologisch sondern wie ein Mosaik, aus dessen winzigen Einzelteilen sich nach und nach ein komplexes, facettenreiches Bild ergibt.

Wir begleiten Teddy Todd, den kleinen Jungen, von den späten Zwanzigern und bis in die Gegenwart. Er wird uns liebenswert und sympathisch, mit all seinen Träumen und Vorstellungen vom Leben. Nach seinen gefährlichen Einsätzen im 2.Weltkrieg kann er kaum glauben, dass er überlebt hat, als der Krieg endlich vorbei ist. Er heiratet, wird Vater und schreibt als Reporter eine Naturkolumne für eine kleine regionale Zeitung.

Viele Dinge passieren ihm einfach, und er stellt wenig davon in frage. Dass er nie einen Zugang zu seiner Tochter findet, sich er aber umso mehr seinen Enkelkindern verbunden fühlt.

Einfach ein wunderbar erzählter Roman. (Ines Kribbel)

Droemer € 19,99

 

Vielleicht ist es sogar schön - Jakob Hein

Jakob Hein erzählt in diesem Buch vom Krebstod seiner Mutter Christiane. Ihr Tod steht am Anfang der Geschichte und Jakob Hein blickt in verschiedenen Episoden zurück. Auf seine Kindheit und Jugend im Künstlerhaushalt. Auf die Zeit des Erwachsenwerdens und die Ablösung von Zuhause ohne den guten Kontakt zu seinen Eltern zu verlieren. Und natürlich auf die Zeit der Krankheit und das Sterben seiner Mutter. Er tut dies ohne Sentimentalität aber mit sehr viel Liebe, ohne Ostalgie aber mit Humor. (Ines Kribbel)

Serie Piper 8,99 Euro

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Ein Tag mit Herrn Jules - Diane Broeckhoven

Für Alice ist es ein liebgewonnenes Ritual, das morgendliche Erwachen hinauszuzögern, dahinzutreiben wie in einer "Gebärmutter" und auf den verführerischen Duft frisch aufgebrühten Kaffees zu warten. Jules, ihr Ehemann ist immer vor ihr wach. Im Laufe ihrer Ehe hat es sich eingespielt, dass er das Frühstück vorbereitet. So auch an diesem winterlichen Morgen. Es hat geschneit und die Nachbarin Bea ist schon wieder "am Ackern", indem sie den Schnee vom Bürgersteig fegt.Ein eheliches Idyll, mit welchem die niederländische Autorin Diane Broeckhoven ihren kleinen, aber nicht weniger eindrucksvollen Roman "Ein Tag mit Herrn Jules" beginnen lässt. Als Alice, in ihren Morgenmantel gehüllt, das Wohnzimmer betritt, sitzt Jules gegen alle Gewohnheit auf der Couch und starrt aus dem Fenster. Sie spricht mit ihm, doch er antwortet nicht. Sie setzt sich neben ihn und berührt sein Knie, doch Jules reagiert nicht. Erst allmählich, dann wie ein Blitz ereilt Alice der Gedanke, dass ihr Mann tot ist. Doch sie gerät nicht in Panik, sondern versucht diese Erkenntnis zu realisieren. Wie in Trance fasst sie den Entschluss, dass keiner von Jules Tod erfahren darf, noch nicht. Sie möchte sich in Ruhe von ihrem Mann verabschieden. So verbringt Alice den letzten gemeinsamen Tag mit ihm, nur unterbrochen vom Besuch Davids, einem autistischen Jungen aus der Nachbarschaft, der wie immer an diesem Wochentag, mit Herrn Jules eine Partie Schach spielen wollte.Fern allen Pathos erzählt Diane Broeckhoven vom Ende einer Jahrzehnte währenden Symbiose zweier Menschen. Voller Zärtlichkeit und Empathie lässt sie Alice ihr Leben mit Jules Revue passieren. Ein Leben, welches natürlich von Höhen und Tiefen durchzogen war, doch immer voller Liebe. Einer Liebe, die so stark war, dass noch nicht einmal ein Seitensprung Jules die Ehe zerstören konnte. Es ist bewegend, diesem langsamen Abschied als Leser beizuwohnen. Nach knapp neunzig Seiten legt man das Buch zwar zur Seite, doch das Erzählte schwingt noch lange in der Erinnerung nach. (Brigitte Klasen)

Rowohlt TB 6,90 Euro